Aktuelle Seite: Judo allgemein Judo in Japan Der Kodokan – Die Wiege des Judo-Sports

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Der Kodokan –

Die Wiege des Judo-Sports

Text: Dieter Born

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Bei Gründung der internationalen Jûdô-Föderation (IJF) wurde im ersten Artikel der Satzung sinngemäß festgelegt: »Es wird als Jûdô das anerkannt, was von Professor Jigorô Kanô kreiert wurde und am Kôdôkan in Tôkyô praktiziert wird.«

Der Kôdôkan in Tôkyô kann daher zu Recht als das eigentliche Zentrum des Jûdô-Sports in der ganzen Welt bezeichnet werden. Seine Geschichte ist mit der des Jûdô schlechthin untrennbar verbunden. An dieser Stelle soll ein kurzer Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der ersten und heute zweifellos größten und bekanntesten Jûdô-Schule der Welt gehalten werden.

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann der damals noch unbekannte Student Jigorô Kanô mit dem Studium verschiedener schon fast in Vergessenheit geratener Jûjutsu-Systeme: Nachdem er bei Teinosuke Yagi die Grundlagen des Jûjutsu gelernt hatte, studierte er ab 1877 bei den Meistern Hachinosuke Fukuda und Masatomo Iso die Techniken der Tenjin-shinyô-Schule und ab 1881 bei Meister Kuwakichi Iikubo die Techniken der Kitô-Schule.

In deutschen Jûdô-Kreisen wird bisweilen behauptet, daß die Anregung dazu von dem deutschen Mediziner Professor Dr. Erwin von Baelz gekommen sein soll, der sich um die Gesundheit des jungen Studenten gesorgt habe. In japanischen Quellen findet sich jedoch keine Bestätigung dafür; auch in dem veröffentlichten Teil der Tagebücher findet sich weder bei Professor Kanô noch bei Professor Baelz ein Hinweis darauf, daß sich Kanô und Baelz zu diesem frühen Zeitpunkt überhaupt schon kannten.

Training im großen Dojo im Jahr 1981Schon im Jahre 1882 gründete Kanô sein eigenes Dôjô (Trainingsstätte), welches er kô-dô-kan nannte (kô: »Vorlesung, Studium«; dô: »Weg, Prinzip, Grundsatz«; kan: »Halle«). Dieser Name bezeichnet also die Halle oder Trainigsstätte, in der »dô« unterrichtet bzw. studiert wird. Dadurch sollte zum Ausdruck gebracht werden, daß es Kanô nicht nur um die reine Kunstfertigkeit (jutsu) ging, sondern vor allem auch auf bestimmte moralische und ethische Grundsätze und Prinzipien (dô) ankam. Folgerichtig nannte er das von ihm geschaffene System dann ja auch jû-dô anstelle der bis dahin häufiger verwendeten Bezeichnung jû-jutsu.

Um sein System von dem der Jikishin-Schule zu unterscheiden, die bereits vorher die Bezeichnung »Jûdô« verwendet hatte, sprach Kanô dann vom »Kôdôkan-Jûdô«, d.h. also demjenigen Jûdô-System, welches am Kôdôkan gelehrt wird. Unser heutiges Jûdô ist genau genommen also »Kôdôkan-Jûdô«.

Kano_StatueAls Kanô 1882 im Eishô-Tempel in Tôkyô erstmals einen eigenen Trainingsraum einrichten konnte (12 Tatami), waren die äußeren Trainings-Bedingungen alles andere als ideal: So beklagte sich der Legende zufolge bisweilen der Chef-Priester des Tempels darüber, daß jedesmal, wenn jemand geworfen wurde, die Ahnentafeln auf dem Altar hochhüpften. Deshalb soll noch im gleichen Jahr an anderer Stelle des Tempel-Geländes ein neues, aber ebenfalls nur 12 Tatami großes Dôjô errichtet worden sein. Zu jener Zeit unterrichtete Kanô neun Schüler, darunter Shirô Saigô, der noch heute für seinen legendären »Yama-arashi« bekannt ist. (Entgegen manchen Veröffentlichungen war Shirô Saigô aber übrigens nicht Kanôs erster Schüler, dies war vielmehr Tsunejirô Tomita !)

Anfangs erhob Jigorô Kanô von seinen Schülern keine Gebühren oder dergleichen, sondern behandelte sie als Gäste und bewirtete sie auch dementsprechend. Das Geld für den Unterhalt des Dôjô verdiente er durch das Anfertigen von Übersetzungen, über die er zum Teil bis tief in die Nacht hinein saß.

Bis 1894 wurde der Kôdôkan von Jigorô Kanô alleine verwaltet, dann wurde als beratendes Gremium der sogenannte »Kôdôkan-Rat« ins Leben gerufen. Im Jahre 1900 wurde die Vereinigung der Dan-Träger als Hilfsorgan des Kôdôkan gegründet. 1909 erhielt der Kôdôkan den Status einer »Stiftung« mit Jigorô Kanô als Präsident.

Ab 1883 verlegte und vergrößerte Kanô mehrfach sein Dôjô, bis dem Kôdôkan schließlich im Jahre 1919 mehr als 500 Tatami Trainingsfläche zur Verfügung standen.

dojoNach 38 Jahren erhielt der Kôdôkan erst 1958 wieder ein völlig neues Dôjô. Doch das konnte Professor Kanô, der am 4. Mai 1938 im Alter von 77 Jahren einer Lungenentzündung erlag, leider nicht mehr miterleben. Sein Nachfolger als Kôdôkan-Präsident wurde zunächst Jirô Nango, der sein Amt jedoch 1946 für Risei Kanô, Sohn des Jûdô-Begründers, zur Verfügung stellte. Dieser leitete den Kôdôkan fast 35 Jahre, bis ihm schließlich sein Sohn Yukimitsu Kanô folgte, der heutige Präsident des Kôdôkan.

Die letzte große Neuerung gab es 1982-84, als anläßlich des 100-jährigen Kôdôkan-Jubiläums der Trainingstrakt völlig neu gebaut wurde.

Text und Fotos: Dieter Born
(Text von 1986 - erstmalig veröffentlicht im August 1986 in dem offiziellen Fachorgan "Judo".)

Kommentare (1)

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tom herold
Vielleicht sollte man noch erwähnen, daß Kanô den Namen "Kôdôkan" einer bereits so benannten Schule entlehnte.
tom herold , 14.08.2010

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