Methodische Tipps zu »Khabarelli«
Text und Fotos: Ulrich Klocke
A) Problemanalyse
1. Die Schwierigkeiten mit »Khabarelli« zu werfen
a. die günstige Situation
b. der geeignete Griff
c. das regelgerechte Ausheben mit Bauch und Bein
d. die Steuerung der Abwurfbewegung von Uke
e. die Kontrolle von Ukes Landung auf dem Rücken oder der Körperseite
2. Die Schwierigkeiten auf »Khabarelli« zu fallen
a. Nicht mit dem freien Arm abstützen
b. Abrollen wie bei einer Judorolle


»Khabarelli« ist ein spektakulärer Wurf für Wettkampfjudoka mit langjähriger Kampferfahrung - für Hobby-Judoka und Anfänger ungeeignet!
B) Lösungsvorschläge
Nur für Spitzensportler geeignet
»Dies ist wirklich ein Wurf für Fortgeschrittene. Man benötigt eine sehr gut ausgeprägte Bein-, Arm- und vor allem Rückenmuskulatur, um die Technik sicher auszuführen. Für die ersten Versuche ist das Abwerfen auf eine Wurfmatte zu empfehlen.« Diese Anmerkung aus meinem Lehrbuch »Judo anwenden« möchte ich auch hier zu Beginn der methodischen Überlegungen anbringen.
Wie kaum ein anderer Wurf sollte Khabarelli wirklich nur erfahrenen Wettkampf-Judoka vorbehalten bleiben. Der Wurf sollte nur Judoka mit gut ausgebildetem Muskelkorsett in Beinen, Bauch, Rücken und Armen vorgestellt werden. Diese sollten über Wettkampf -erfahrung zumindest auf Deutscher Ebene verfügen (d.h. Teilnahme an Deutschen Jugendmeisterschaften) und langjährig im Wettkampftraining stehen, um den sportlichen Wert eines Khabarelli und sein Gefahren-Potential richtig einschätzen zu können. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben sollte ein verantwortungsbewusster Coach auf die Vermittlung des Khabarelli verzichten, weil sonst Gefährdungen von Tori und vor allem von Uke in Kauf genommen werden müssten.
C) Tipps für Tori
Die günstige Situation
Shota Khabarelli nutzte seinen Wurf immer dann, wenn seine Gegner gegen den von ihm angesetzten O-uchi-gari mit Gürtelgriff blockierten oder aber ihn mit einem Te-guruma zu kontern versuchten. Dann beugte er sie mit dem Arm, den er zum Gürtelgriff nutzte, kraftvoll nach vorne ab und wechselte die Angriffsrichtung von vorne nach hinten (von Tori aus gesehen).
Der geeignete Griff
Üblicherweise wird bei einem Khabarelli Ansatz einseitig am Kopf von Uke vorbei über den Rücken in den Gürtel gegriffen und auf der gleichen Körperseite von Uke die Hose in Kniehöhe erfasst. So kann Uke bei engem Körperkontakt gut mit Zug aus beiden Händen, dem Bauch und dem Spielbein angehoben werden.
Das regelgerechte Ausheben
Da ein Umschlingen des Beines seit neuestem verboten ist, muss das Ausheben mit frontalem Körperkontakt durch die Kraft der Beine, des Rückens und Arme erfolgen, wobei der eigene Körperschwerpunkt unter dem von Uke sein sollte. Das zwischen den Beinen Ukes angehobene Spielbein verstärkt diese Aushebebewegung zusätzlich.
Die Steuerung des Abwerfens
Am höchsten Punkt der Aushebebewegung dreht Ukes seinen Kopf so, dass er "mit Blick über die Schulter" die geplante "Landestelle" Ukes in Augenschein nimmt. Durch diese Drehung des Kopfes wird die nachfolgende Körperrotation eingeleitet. Im Wettkampf ist das Ausheben und die nachfolgende Rotation oft so dynamisch, dass beide Kämpfer den Bodenkontakt verlieren und frei durch die Luft schweben.
Die Kontrolle der Landung
Tori muss unbedingt den engen und frontalen Körperkontakt beibehalten, um Uke in Rückenlage zu steuern. Tori fällt also komplett auf Uke, der flach auf dem Rücken landet.
Zu den Fotos:
Michael Jurack ist ein »Khabarelli«-Spezialist. Aber auch ihm unterlaufen Fehler. Hier hat er nicht einseitig am Kopf vorbei und in den Gürtel gegriffen, kann den Gegner daher nicht hinreichend ausheben und wird in labiler Rücklage leicht mit Ko-soto-gake gekontert.






D) Tipps für Uke
Nicht mit dem freien Arm abstützen
Ein wenig Wettkampf erfahrener Uke neigt bei einem kraftvollen Khabarelli dazu, sich mit dem freien, durch Tori nicht kontrollierten Arm abzustützen, um den erwarteten harten Fall abzumildern. Dies ist extrem gefährlich und kann zu schweren Verletzungen führen.
Abrollen wie bei einer Judorolle
Uke sollte unbedingt versuchen, sich wie bei einer Judorolle vorwärts über den freien Arm zu verhalten, diesen also nicht aufsetzen, sondern nur als Orientierung für eine Judorolle zu nutzen. Dann unterstützt er Toris Wurfbewegung korrekt und ermöglicht ein gutes Abwerfen sowie eine schmerzlose, sichere Landung.
E) Allgemeine Tipps
Werfen auf Wurfmatte
»Khabarelli« sollte zunächst nur ausgehoben werden. Wird mit Abwerfen trainiert, dann sollte für höhere Wiederholungszahlen ab 3 Würfen unbedingt eine Wurfmatte (Weichbodenmatte) zur Verfügung stehen. Auf diese kann werfen, indem man sich vor die Wurfmatte stellt. Dadurch wird die Drehung nach dem Ausheben erleichtert. Es ist nicht zu empfehlen auf der Wurfmatte stehend Khabarelli zu üben.
Entnommen aus: JUDO-Sport-JOURNAL, Nr. 35/36, Seite 46-47, Verlag Dieter Born, Bonn, 2003.
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